Dieser „Supersamstag“ wirkte nach

Beim Kuckucksmarkt herrscht ausgelassene Stimmung von früh bis spät—das merkt man teils noch am Morgen

Zum Ende des Eberbacher Kuckucksmarktes 2022 nachfolgend ein paar Berichte der örtlichen Presse. Es war ein SUPER FEST

Eberbacher Zeitung / Rhein Neckar Zeitung vom Montag, 29. August 2022. Von Moritz Bayer

Der Samstag zeigte sich von seiner besten Seite, bis spät in die Nacht wurde auf dem Kuckucksmarkt ausgelassen gefeiert. Der Besucherandrangverteilte sich über das Gelände, über allem thronte das Colossus-Riesenrad. Foto: Stefan Weindl

Sonntag, 11 Uhr: Ein gemütlicher Rundgang erscheint mir als Eberbacher Neuling angesichts von angenehmen 24 Grad optimal als Einstieg. Frühschoppen steht auf dem Programm, also geht es nach kurzer Stärkung mit Feuerwurst Richtung Mostzelt und Festzelt. Dort ist jeweils noch gar nicht allzu viel los, aber das hat Gründe, wie ich erfahre: Auf dem Eberbacher Kuckucksmarkt kann man gut, lange und ausgelassen feiern — soweit noch keine neue Erkenntnis. Aber am Samstag war selbst für partyerprobte  Eberbacher die Hölle im positiven Sinne los. Chefplaner Tobias Soldner bringt es auf den Punkt: „Die Hütte hat gebrannt.“ So sehr, dass der traditionelle sonntägliche Frühschoppen eben etwas länger als gewöhnlich braucht, um richtig in Schwung zu kommen. Letzten Endes funktioniert aber auch das, und für den ein oder anderen heißt es dann eben nach längerer Pause: Weiter geht’s!
Die Musik ist schon zu hören, deutlich bevor man ihn sieht: Unverdrossen steht Werner Schifferdecker am E-Piano und lässt Klassiker wie „Ich war noch niemals in New York“ durchs Mostzelt ertönen. Sitzplätze gibt es noch etwa die Hälfte, lange anstehen muss hier auch niemand. „Ein bisschen mehr Betrieb hätten wir uns bisher erhofft, aber der Frühschoppen läuft ordentlich“, erklärt Markus  Scheurich, Vizepräsident der veranstaltenden KG Kuckuck. Die Erklärung hat er auch direkt parat: „Gestern hat das Festzelt mit Barbed Wire schon einen Volltreffer gelandet, das hat die Leute einfach extrem angezogen.“

Der Frühschoppen brachte auch am Sonntag schnell Stimmung ins große Festzelt (Foto: Moritz Bayer), die Band stand zeitweise motivierend geschlossen auf den Beinen.

Dass es noch relativ ruhig ist, kommt andererseits auch manchen Besuchern zugute: „Wir wollen das gar nicht so laut, so grade ist total super“, erklärt Hilde Inning. Die Rentnerin kommt mit ihrem
Mann nicht selbst aus Eberbach, aber plant einen Besuch fast jedes Jahr mit ein, wenn es geht. Zwischen den Liedern spendet sie kräftig Applaus, Schifferdecker bedankt sich und nickt uns zu.
Das Publikum musste nach diesem Samstag vielleicht wirklich nur etwas länger ausschlafen, denn zwischen halb zwölf und zwölf füllen sich die Zelte schneller, als mein Radler sich leert. Die Trachtenkapelle Mückenloch heizt im großen Festzelt ein und kitzelt mit den Mitmachliedern „Rock mi“ die Leute endgültig wach. Meine neuen Sitznachbarn Patrick, Thomas und Jana sind hoch motiviert dabei—das macht durstig. Schön finde ich, genau wie die Drei, dass die Gläser hier keinen Pfand kosten. Dafür wird am Ein- und Ausgang des Kuckucksmarktes auf Gläser kontrolliert.

Für mehr Frischluftmusste man einen Platz im Biergarten (rechts, Foto: Stefan Weindl) erkämpfen, was Samstagabend alles andere als eine leichte Aufgabe war.

Um halb eins müsste man sich umschauen, um noch einen Sitzplatz zu ergattern, jedenfalls im Zelt. Draußen, im Biergarten kann man problemlos frische Luft schnappen und Kuckucksmarktfeeling von allen Seiten genießen. Denn dass die Partystimmung wieder nach oben geht, merkt man minütlich. Gesprächsfetzen wie „Das war krank gestern“, „Was ne Stimmung“, oder „Ich hab ne Fahne wie ein  Patriot“ lassen mir bildliches Kopfkino vorm Auge entstehen, dass die Nacht von Samstag auf Sonntag eine sehr kurze gewesen sein muss. Mittlerweile finde ich die Marktfülle zur Mittagszeit umso  respektabler. Im Biergarten haben sich auch Tobias Soldner, Platzmeister Alexander Henk und Soldners Stellvertreter Bernhard Walter zu einer Erfrischung zusammengefunden. Letzterer wird heute Abend seinen großen Auftritt bei „Lungo’s Karaokeparty“ haben. Gerüchten zufolge gibt es dort weitreichende Neuigkeiten zu verkünden ...

„Der Auftakt am Freitag war ein kleines bisschen verhalten, aber seitdem geht es richtig ab. Wir sind super zufrieden, so kann’s weitergehen“, zieht Soldner ein zwischenzeitliches Fazit nach der Kuckucksmarkt-Halbzeit. Und wie beim Frühschoppen scheint sich ja dann zu bewahrheiten: Kurze Pausen bedeuten eine Rückkehr mit umso größerem Elan. 

Schmecken lassen

Eberbacher Zeitung / Rhein Neckar Zeitung vom Montag, 29. August 2022. Von Jutta Biener-Drews

Foto: Stefan Weindl

Gegrilltes, Gebackenes, Gebratenes, Fisch, Fleisch, Maiskolben und natürlich Pommes: Der Kuckucksmarkt bietet alles, was Jahrmarktgästen das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt. Selbstverständlich kommen auch Schleckermäuler nicht zu kurz. Wobei die Standbetreiber gerne noch eine Schippe drauflegen würden. Ein Zuckerwatteverkäufer gab am Samstag an, nur ein Drittel
seines Vor-Corona-Absatzes in Eberbach zu erzielen.

„Die Leute freuen sich, dass wir wieder da sind“

Nach zwei Jahren Pause herrscht reger Betrieb auf dem Kuckucksmarkt – Einige Stände haben sich Stammkundschaft aufgebaut

Eberbacher Zeitung / Rhein Neckar Zeitung vom Diensttag, 30. August 2022. Von Moritz Bayer

Gute Stimmung für alle garantiert der Autoscooter. Foto: Stefan Weindl

Alt und Jung, Groß und Klein: Auf dem Kuckucksmarkt kommen Menschen aller Art zusammen, um zu essen, zu trinken, zu feiern oder einfach nur die Geselligkeit zu genießen. Dementsprechend groß ist auch die Vielfalt der angebotenen Stände und Fahrgeschäfte. Während Letztere sich an durchweg großem Andrang erfreuen, läuft das Geschäft für andere Händler bisweilen verhalten. Wir haben Stimmen vom Markt gesammelt. 
Beim Autoscooter herrscht morgens noch Ruhe, vereinzelte Fahrten ergeben dafür beispielsweise die Chance für Familien: „So fährt mein kleiner Sohn mit, bei Andrang wie abends meist wäre das noch zu viel Trubel für ihn“, freut sich ein Vater. Mittags bis abends wird es schnell voller, der Scooter ist traditioneller Treffpunkt für zahlreiche Jugendliche. Der Inhaber ist zufrieden: „Vom Betrieb her können wir uns nicht beschweren, das ist gut was los. Das haben wir aber auch erwartet und gehofft. Ein bisschen ist der Zulauf vielleicht wegen der zwei Jahre Pause gewachsen, aber der war ja auch davor schon groß.“

Reiner Lautenbach liebt Gewürze und den Kontakt mit Menschen. Mit ordentlich Fachwissen stellt er ein Körbchen für zufriedene Kunden zusammen. Foto: Moritz Bayer

Erfreut ist man auch bei Galle’s Pusher Palace. Der römische Legionär als Blickfang am Eingang sieht imposant aus, wäre aber gar nicht nötig: „Die Leute freuen sich, dass wir wieder da sind. Es ist unser viertes Jahr und wir haben – neben der Laufkundschaft – schon eine kleine Stammkundschaft hier gewonnen, das ist sehr schön!“ 
Zuckerwatte scheint dafür dieses Jahr nicht gutzugehen, die Verkäuferin spricht von einem Drittel früher verkaufter Mengen. Gewürze auf der anderen Seite haben Hochkonjunktur: Reiner Lautenbach hat, zusammen mit Frau Heidi, gut Lachen: „Die Leute wollen unsere Produkte und wissen, dass hier top Ware verkauft wird. Aber zusätzlich wurde der zweite Gewürzhändler auch krank, so haben wir
jetzt natürlich eine Art Monopolstellung. Wir arbeiten mit Kräuterbauern direkt zusammen, Corona hat uns zu mehr Flexibilität gezwungen. Das klappt aber sehr gut, da kann ich wirklich froh sein.“ Die
Auswahl ist zu groß, dass man Gefahr liefe, nichts Neues finden zu können. Eine Gemüsewürzmischung aus Knoblauch, Karotte, Sellerie und vielem mehr verfeinert in Zukunft auf die Beilagen der
Zeitungsredaktion.

Werner Schifferdecker verliert nicht den Blickfürs Publikum. Foto: Moritz Bayer

Blechschilder sind Sammlerstücke, man liebt sie, oder man kann mit ihnen wenig bis nichts anfangen. Über ein paar Liebhaber solcher Schilder würde sich die Firma Friedrich freuen. „Es ist derzeit etwas schwierig, aber nicht nur in Eberbach. Das ist ein generelles Problem. Dazu kommen weite Anfahrtswege, ich komme aus den Niederlanden“, gibt Inhaber Friedrich zu bedenken. Vielleicht
schlägt ihm auch die Auswahl des Onlinehandels ein Schnippchen, was schade wäre. Denn bei genauer Betrachtung ist nicht nur die Qualität hoch, sondern auch die Preise günstiger als bei vielen
Internethändlern oder Läden, die sie sonst veräußern.

Freudestrahlend spielt Werner Schifferdecker im  Mostzelt Fetenhits am EPiano.  Dass das große Festzelt zumindest Samstag die Feieradresse Nummer ein gewesen ist, stört ihn nicht. Immerhin hat der Routinier auch drei Auftritte solo zu absolvieren: Samstagabend, Sonntag früh und abends. Ruhigere Phasen stören daher nicht. Außerdem kann er so ein bisschen leichter nach den Gästen richten, was das Publikum zu schätzen weiß: „Der geht total aufs Publikum ein, das ist einfach gut gemacht“, freut sich Hilde Inning, die mit ihrem Mann in der ersten Reihe sitzt.

Beim Abschied fließen ein paar Tränen

Bernhard „Lungo“ Walter macht die närrische Elf voll und verabschiedet sich emotional von „seiner“ Karaoke-Party im Mostzelt

Eberbacher Zeitung / Rhein Neckar Zeitung vom Mittwoch, 31. August 2022. Von Peter Bayer

Bernhard "Lungo" Walter sagt Servus, Tschüss und Goodbye

Wenn nach 20 Minuten mehr als 300 Zeltbesucher nicht mehr auf den Bänken sitzen sondern über Stunden hinweg stehen – dann ist Karaoke. Von 19.11 Uhr bis nach Mitternacht bebte auch am Montag einmal mehr das Mostzelt der KG Kuckuck. Dass auf der Bühne dabei die Töne nicht immer richtig getroffen wurden, hätte wohl nur die Juroren von „Deutschland sucht den Superstar“ gestört. Denn schon nach den ersten Tönen wurden die Wagemutigen vorne aus gut 500 Kehlen im und vor dem Zelt lautstark unterstützt.

Seit der ersten Karaoke-Party ist Pascal Kerling mit Robbie Williams „Angels“ dabei.

Wohl kaum bei einer anderen Veranstaltung ist es möglich, dass auf Peter Wackels Ballermann-Hit „Scheiß drauf! Malle ist nur einmal im Jahr“ das Dankeschön für 40 Jahre Flippers folgt, ohne dass die Stimmung abfällt. Neben den offenbar unverzichtbaren nicht ganz jugendfreien Liedern wie zum Beispiel „Layla“, dem Sommerhit 2022, der auf manchen Volksfesten verboten wurde, wurden auch mehr mehrfach ABBA -Hits wie „Mamma Mia“ oder „Dancing Queen“ auf der Bühne angestimmt. Längst hielt es da keinen mehr sitzend auf der Bank, stehen und laut mitsingen war angesagt. 
Während Daniel Lorris Can sich fragen musste „Wo war ich die Nacht von Freitag auf Montag?“, machte Helene Fischer bei ihrem atemlosen Zug durch die Nacht auch Station im Mostzelt, wo beim „Herzbeben“ nicht nur durch ihre Venen der Bass floss, sondern dieser im Zelt auch Boden und Körper erbeben ließ. Wer dachte, mehr geht nicht, der wurde schnell positiv vom Gegenteil überzeugt. Mit „Angels“ von Robbie Williams war Pascal Kerling von Beginn an dabei – und durfte auch diesmal nicht fehlen.

Ohne Pause geht es von einem Lied zum nächsten, werden Lungo und seinem Sohn Miron die Zettel mit den Wünschen gereicht, genießen die nächsten Sängerinnen, Sänger oder Gruppen für ein paar Minuten ihren Auftritt im Rampenlicht. Und weil „er sich allein nicht traut“, tauscht Walter kurz die Rolle des Moderators mit der des Interpreten und gibt mit Jan Hammann „Tausend Mal berührt“ von der
Klaus Lage Band zum Besten. Deutsche Lieder sind an diesem Abend in, weiter geht’s mit „Hamma“ von Culcha Candela, auch die „Schwarze Natascha“ und die „Himmelblaue Augen“ kommen nach „Starships“ und der Queen-Hymne „We will rock you“ zum Zug. Vier Stunden sind zu dem Zeitpunkt schon vergangen und noch keine Spur von Müdigkeit ist zu erkennen.

Nicht nur auf der Bühne, auch auf den Bänken geben die Besucherinnen und Besucher alles und singen lautstark mit. Alle Fotos: Peter Bayer
Stimmgewaltig zeigen sich auch die „Flames“ vom Club Eulenspiegel.

Ganz im Gegenteil. Mit „Altes Fieber“, (das immer kommt, wenn wir zusammen sind) von den Toten Hosen bringen Yvonne und Katha, unterstützt von allen im Zelt, die Stimmung kurz vor Mitternacht noch einmal auf den Höhepunkt. Und dann wird Rada rada radadada mit „Im Wagen vor mir fährt ein junges Mädchen“ von Henry Valentino und Uschi von den jungen Karaoke-Sängern ein 45 Jahre alter Song ausgepackt, textsicher – dank Teleprompter? – vorgetragen. Dass auch Songs mit politischem Inhalt kein Tabu sind, beweisen Daniyal und Co. mit (Deine Gewalt ist nur ein stummer) „Schrei nach Liebe“ der Punkrock-Band Die Ärzte, die sich darin gegen Neonazis richten.
Doch auf dem Höhepunkt der Stimmung kurz nach Mitternacht, bemühte sich Bernhard Walter, der abgesehen von einer kleinen Pause, fast fünf durchgemacht hatte, um Ruhe. Denn alles hat ein
Ende – auch Lungo’s Karaoke-Party. Zumindest für den Namensgeber. „Ihm kommen langsam die Tränen“, stellte sein Sohn Miron fest, der mit ihm gemeinsam die Party managte. Nicht ohne Grund. „Ich sing jetzt mal ein Lied und geh’ dann raus“, kündigte Lungo nach zwölf Karaoke-Partys seinen Abschied von der Bühne des Mostzelts an. Mit dem ABBA Hit „Thank you for the music“ endete für Bernhard Walter, den meisten als „der Lungo“ bekannt, seine elfte Karaoke- Party – nur 2018 musste er wegen Krankheit passen. Doch für den Urmel-Fastnachter wurde es dadurch passend die
närrische Zahl elf. Lungo ging, begleitet vom Beifall der Festbesucher, doch mit „Hulapalu“ von Andreas Gabalier ging mit seinem Nachfolger DJ Miron G. die Party weiter.

Wie kam’s zur Karaoke-Party?

Der Zufall half kräftig mit

Eberbacher Zeitung / Rhein Neckar Zeitung vom Mittwoch, 31. August 2022. Von Peter Bayer

Bernhard "Lungo" und Sohn Miron G. Walter

Erstmals im Jahr 2009 hieß es „Lungo’s Karaoke Party“. Nicht etwa weil er so ein begnadeter Sänger wäre. „Ich habe nur einmal selbst gesungen – in einem Anfall von Melancholie“, erinnert er sich. Wann genau das war, weiß er nicht mehr. Es war an einem 31. August, als der damalige Bürgermeister Bernhard Martin „Es war ein schöner Tag, der letzte im August“ aus Peter Maffays „Und es war Sommer“ anstimmte. Lungo ließ sich inspirieren und wechselte vom Moderatorenplatz auf die Bühne. Der Applaus war ihm sicher. „Aber eher aus Mitleid, weniger wegen meines Gesangstalents“, schätzt er. Die Zusammenarbeit zwischen den Kuckucken und dem Urmel Bernhard Walter war eher Zufällen geschuldet. „Ich hatte einen DJ-Job bei einer Hochzeit, die wollten damals unbedingt Karaoke“, erinnert sich Lungo. Auch bei der folgenden Hochzeit war dies der Fall. Markus Scheurich, der stellvertretende Vorsitzenden der Kuckucke, suchte gerade noch einen Programmpunkt für Montag- oder Dienstagabend im Mostzelt. Gesucht – gefunden: „Lass es uns probieren“, beschlossen beide. Die Zweifel, die beide kurz vor der Premiere überkamen, stellten sich als unbegründet heraus. Eine Erfolgsgeschichte hatte begonnen.

(Erstellt am 04. November 2022)

Höhen-Brillant-Feuerwerk am Dienstag um 22 Uhr

Marktzeiten

Freitag     15-2 Uhr      Montag    11-2 Uhr
Samstag  11-2 Uhr      Dienstag  11-1 Uhr
Sonntag   11-2 Uhr  
 


 

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